loading

Arbeiten mit Kindern

KREATIVITÄT

Zur Arbeit in der Kreativwerkstatt für das 11 Jugendmusikfest Deutschlandsberg

KREATIVITÄT - eine Droge ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Natürlich: Ganz ohne Leiden geht es nicht ab. Doch die Schmerzen, die man im kreativen Arbeitsprozeß erleidet, sind - ähnlich den Geburtswehen - keine Symptome einer Krankheit, sondern wichtige Durchgangsphasen bei der Entstehung eines Werkes. Natürlich: Als Kreativer wird man oft zurückgewiesen, von den Kritikern zerfetzt oder gänzlich verhindert, aber die Befriedigung, die im Schaffensprozeß selbst liegt, kann einem keiner nehmen. Eine fast ebenso große Befriedigung liegt aber auch in der Wahrnehmung der Kreativität anderer. Und hierbei nimmt das Erlebnis, Kinder und Jugendliche bei den ersten Schritten zur Verwirklichung ihrer Talente begleiten zu dürfen, einen ganz besonderen Stellenwert ein. In diesem Sinn war das Veranstalten einer 14tägigen Kreativwerkstatt in Deutschlandsberg mit den "kleinen", den "größeren" und den "großen" Künstlern ein abenteuerliches Vergnügen für mich. Unter dem dadaistischen Motto: "jeder ist ein Künstler, alles ist Kunst" warfen wir vorerst einmal alle Regeln über Bord und gaben uns dem reinen Spiel hin. Daraus entstanden dann, langsam und unverkrampft, die einzelnen Texte, die ich für mein theatralisches Grundkonzept benötigte: ein FreistilVariete mit dem Titel "Der Gipfel von Allem".

Hier einige Beispiele, wie dieser Schaffensprozeß vor sich ging:

Die Quatschfamilie und Der buntgraue Herbst sind das Resultat des allseits beliebten Sesselspiels mit der Gruppe der 5 - 7jährigen. Die Kinder durften sich austoben, doch jedes, das ausschied, mußte spontan einen Satz, eine Lautmalerei, etwas Unsinniges oder sinnhaftes zum Gedicht, das auf eine große Tafel geschrieben wurde, beisteuern.

Der Mäusebaum entstammt einem ähnlichen Spiel mit der Gruppe der 10 - 12jährigen.

Die Arbeiter und Die Sportler. Die Texte zu diesen beiden Szenen stammen aus dem Zeitungsschnipselspiel: zuerst wurden die Schlagzeilen von Zeitungen in kleine Schnipsel zerschnitten - gut umgerührt - und neu zusammengesetzt. In der folgenden Arbeit mit den jungen Schauspielern wurde das Material zu kurzen surrealen Spielhandlungen verdichtet.

Unter einem Hut und Der Gipfel von Allem stammen aus den Federn der mittleren Gruppe. Diesen Texten liegt das "Wortpokerspiel" zugrunde. Jedes Kind zog aus ca. 100 Kärtchen fünf heraus, auf die wir einzelne Worte geschrieben hatten. Wie beim richtigen Pokern durften einige oder auch alle Karten noch einmal ausgetauscht werden. Dann wurden die endgültigen fünf Worte zu jeweils einer Gedichtstrophe verarbeitet.

Das Feueropfer, Die Augen der Besessenheit, Unhold, Schuldig und Das erste Mal stammen aus den Federn der Ältesten (Gruppe der 15 -17jährigen). Die ersten beiden sind umgearbeitete, dramatisierte Schulaufsätze; die anderen beiden sind frei entstandene Gedichte.

In der Kreativwerkstatt unternahmen wir auch einige Phantasiereisen, von denen die Kinder und Jugendlichen viele bunte Innenweltbilder und märchenhafte Geschichten mitbrachten, die zu Texten und Zeichnungen verarbeitet wurden. Leider konnten gar nicht alle entstandenen Werke in das Programm des Freistil-Varietes aufgenommen werden.

Auf die nächste Phase im Realisationprozeß des Bühnenspektakels hatte ich dann nur wenig Einfluß: mit Spannung erwartete ich die Musik, die die jungen Komponisten unter der Anleitung von Otto M. Zykan zu den einzelnen Texten und als Grundlage für die Tanz- und Instrumentalnummern liefern würden.

Jetzt erst begann meine eigentliche Hauptarbeit:
Die Vereinigung der optischen und akustischen Komponenten - die Realisation des Varietes im Laßnitzhaus. Das Regieführen glich nun dem Zusammensetzen eines Puzzlespiels, ein Abenteuer ohne Netz und doppelten Boden.

KREATIVITÄT - Man wird zwar süchtig, aber … fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Angebot für Schulveranstaltungen unter:

www.kulturkontakt.or.at